Tradition und Moderne

1920

Gründung der Hildegardisschule im Franziskushaus am Bohlweg unter der Leitung von Sr. Thusnelda Mölleney


„Was können wir tun, damit möglichst viele junge Frauen befähigt und motiviert werden, am moralischen und sozialen Wiederaufbau des deutschen Volkes mitzuwirken, Verantwortung für das Gemeinwohl und für das Wohl der Familien zu übernehmen?“ Vor dieser Frage stand die Ordensschwester Thusnelda Mölleney, Lehrerin des Lyzeums im Vorsehungskloster St. Mauritz, dem Kloster der Ordensgemeinschaft der Schwestern von der göttlichen Vorsehung, angesichts der Folgen des Ersten Weltkrieges. Sie erkannte früh die Bedeutung einer ganzheitlichen Frauenbildung in einer neuen Zeit. 1920 wurde sie mit der Aufgabe betraut, eine Frauenschule zu gründen und zu leiten.
Schwester Thusnelda Mölleney (1887- 1940) studierte Deutsch, Französisch und Geschichte und erwarb die Lehrbefähigung für „Lyzeen und weiterführende Bildungsanstalten für die weibliche Jugend.“ Zunächst unterrichtete sie im ordenseigenen Lyzeum im Vorsehungskloster St. Mauritz. Infolge ihrer anerkannten pädagogischen Arbeit und ihres Einsatzes für eine frauengerechte Bildung wurde rasch die besondere Befähigung Sr. Thusneldas zur Leitung einer Frauenschule deutlich. Damit war der Grundstein zur Gründung der Hildegardisschule gelegt. Nach intensiven Verhandlungen mit der Stadt Münster wurde mit der Genehmigungsurkunde der Weg zur Frauenschule geebnet. Am 4. Juni 1920 wurde die einjährige Frauenschule mit 20 Schülerinnen eröffnet. An diesem Tag begann der Unterricht im Franziskushaus am Bohlweg.

1929

Das erste Abitur an einer Frauenoberschule in Preußen


Unter der Leitung der Oberin Sr. Thusnelda Mölleney erhielt die neue Frauenschule regen Zuspruch, so dass die Schülerzahlen bald beachtlich anstiegen. Dies führte auch zur Schaffung neuere Schulformen. Sr. Thusnelda verfolgte die Idee einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung im Bereich Hauswirtschaft. Diese Idee entwickelte sie zu einem neuartigen Konzept, das sie im Preußischen Landtag vorstellte.
1926 schließlich richtete die Ordensgemeinschaft als Schulträger einen Antrag auf Genehmigung zum Versuch einer dreijährigen Frauenschule an das Ministerium. Mit Erlass vom Juni 1926 wurde die Hildegardisschule zur ersten Frauenoberschule in Deutschland. 1929 schließlich wurde das erste Abitur an der Hildegardisschule abgenommen. 18 Schülerinnen bestanden das Examen und waren berechtigt zum Eintritt in das Gewerbeseminar, zum Studium für das künstlerische Lehramt und später auch für die Universität.

1937-1944

Die Folgen des Nationalsozialismus für die Hildegardisschule


Mit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland begann auch für die Hildegardisschule eine schwierige Zeit. Die nationalsozialistische Regierung war gegen konfessionelle Schulen eingestellt, Ordensleute durften nicht mehr unterrichten, Ordensschulen wurden geschlossen und Ordenangehörige wurden aus ihren Häusern vertrieben. Diese Tatsache zog viele Konsequenzen für die Hildegardisschule nach sich. Schrittweise wurden seit 1936 der Handlungsspielraum und die Wirkungsmöglichkeiten der Schule eingeschränkt bis es schließlich zur vollständigen Schließung der Schule im Herbst 1942 kommt. Die Schulleiterin Sr. Thusnelda Mölleney verstarb während dieser Zeit(1940) infolge einer schweren Erkrankung und hat die Schließung der Schule nicht mehr miterlebt. Ihrer Nachfolgerin, Sr. Borgia Hamschmidt, oblag die schwierige Aufgabe, die Schließung der Schule zu organisieren. Aus der Zeit von 1942 bis 1945 liegen nur wenige schriftliche Aufzeichnungen vor. Die Ordensschwestern übernahmen Tätigkeiten in verschiedenen Bereichen der Ordensgemeinschaft, die übrigen Lehrerinnen unterrichteten teilweise an staatlichen Schulen. 1944 schließlich traf die Ordensgemeinschaft ein weiterer Schicksalsschlag. Das Haus der Hildegardisschule am Bohlweg 93, in dem die Schule 1920 ihren Anfang nahm, wurde in einer Bombennacht am 18. November 1944 vollständig zerstört.

Nach Ende des Krieges hatte die Pädagogik in Deutschland  eine schwierige Aufgabe, da sie vor „Ruinen“ in allen Bereichen des Lebens stand.
Sr. Franzinis Braun, die bereits von 1925-1942 an der Hildegardisschule unterrichtet hatte, fühlte sich ihrer Hildegardisschule verpflichtet. Zudem kamen viele Anfragen nach einer Wiedereröffnung der Schule. So beschloss die Ordensleitung zu Beginn des Jahres 1946, die Hildegardisschule neu zu errichten und zwar als eigenständige Schule. Sr. Franzinis übernahm die Aufgabe, die nötigen Anträge und Konzepte zu entwickeln. Am 17.10.1946 erging die Genehmigungsurkunde der Militärregierung und am 28. 10.1946 konnte die Schule in behelfsmäßig hergerichteten Gebäuden an der Ostmarkstraße neu eröffnet werden.

1959

Einweihung des neuen Schulgebäudes Neubrückenstraße 17-22


Rasch stiegen die Schülerzahlen wieder an, so dass das Gebäude der Hildegardisschule an der Ostmarkstraße bald zu klein wurde. Die Schulleitung entschied sich für den Aufbau einer größeren Schule. Nach einer intensiven Suche nach passenden Räumlichkeiten und langwierigen Verhandlungen um die Finanzierung eines neuen Gebäudes stellte die Ordensgemeinschaft schließlich das Grundstück an der Neubrückenstraße zur Verfügung. Hier hatte bis zu seiner Zerstörung durch Bomben das Idaheim, das ehemalige Internat der Schule, gestanden. Zugleich stellte das Land NRW  ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 300.000 DM zur Verfügung.
Die Bauarbeiten begannen im Januar 1957, das Richtfest wurde bereits im Dezember desselben Jahres begangen. Die weiteren Bauarbeiten verliefen reibungslos und so konnte endlich nach einem aufregenden Umzug der gesamten Schule von der Ostmarkstraße zur Neubrückenstraße Ostern 1959 im Oktober 1959 die festliche Einweihung des neuen Gebäudes stattfinden.

1968

Demokratisierungsbestrebungen an der Hildegardisschule


Die gesellschaftliche Umbrüche zum Ende der sechziger Jahre gingen auch an der Hildegardisschule nicht spurlos vorbei. Der „Ruf nach mehr Demokratie“ führte auch hier zu einer Neukonzipierung der Leitungsfunktionen an der Schule. Schrittweise kam es in den folgenden Jahren zur Einrichtung verschiedener Gremien wie der Elternvertretung, der Schülervertretung, der Lehrervertretung und der Schulkonferenz. Diese Maßnahmen stellten eine Basis dar für einen lebendigen Demokratisierungsprozess.
1968 wurden in NRW auch Konzepte für eine grundlegende Umstrukturierung des berufsbildenden Schulwesens entwickelt. Diese Veränderungen verliefen angesichts der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen dieser Zeit nicht spannungsfrei, so dass Schülerstreiks, Demonstrationen und schulinterne Aktionen zum Schulalltag gehörten. Es war teilweise schwierig, festzustellen, wogegen sich die zahlreichen Protestaktionen überhaupt richteten. Für die Hildegardisschule ging es um die Überleitung der Höheren Fachschule für Hauswirtschaft in die Fachhochschule, die nach langwierigen Verhandlungen erst 1971 abgeschlossen wurde. Die Schülerinnen und Lehrerinnen der Höheren Fachschule  wechselten zur Staatlichen Fachhochschule, Fachbereich Hauswirtschaft in den Räumen des Josefshauses an der Josefstraße. Zugleich wechselten die Schülerinnen und Lehrerinnen der Zweijährigen Berufsfachschule des Josefshauses unter der Leitung von Sr. Fides Rottmann zur Hildegardisschule.

1994

Wechsel der Trägerschaft von der Ordensgemeinschaft der Vorsehungsschwestern zum Bistum Münster


„Wie schön, dass das Bistum Münster eine Schule übernimmt, in der so viel Einsatzbereitschaft, Spontaneität und Engagement für junge Leute lebendig sind, wo es noch immer darum geht, die Fragen der Zeit zu verstehen und eine Antwort zu suchen, wo es inzwischen nicht mehr ausschließlich um Frauenbildung und um Frauenberufe geht, sondern um soziale, hauswirtschaftliche und pflegerische Berufe ganz allgemein, damit wir uns auch morgen noch aufeinander verlassen können.“, so lautete ein Fazit der Schulleiterin Sr. Fides Rottmann anlässlich des Wechsels der Hildegardisschule in die Trägerschaft des Bistums Münster.
Dieser Wechsel vollzog sich zum Schuljahresbeginn 1994. Nach fast 75- jähriger Trägerschaft durch den Orden der Schwestern der göttlichen Vorsehung sah sich die Ordensgemeinschaft nicht mehr in der Lage, dieses verhältnismäßig große und differenzierte Schulsystem, zu dem die Hildegardisschule im Laufe der Jahre gewachsen ist, so zu betreuen, dass auch auf Dauer erfolgreich gearbeitet und gelernt werden kann. Immer ist es so gewesen, dass sich die Schwestern den Anforderungen der jeweiligen Zeit gestellt haben und mitgeholfen haben, den Frauen zeitgemäße Ausbildungsmöglichkeiten zu verschaffen. Sr. Fides wertet auch den Trägerwechsel als ein Anzeichen dafür, dass sich die Schwestern rechtzeitig umgesehen haben und dass es gut sei, die Schule an das Bistum zu übergeben.

1998

Die Hildegardisschule wird das Berufskolleg des Bistums Münster in den Berufsfeldern Ernährung und Hauswirtschaft sowie Sozial – und Gesundheitswesen


1998 vollzog sich die Umformung zu einem Berufskolleg.  Dieser Schritt war notwendig geworden durch das Berufskolleggesetz, das die Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung und Allgemeinbildung betont. In Zukunft sollen neben beruflichen Abschlüssen immer auch allgemeinbildende Abschlüsse vergeben werden.

2000

Hildegardissschule geht online
Die Hildegardisschule besteht 80 Jahre

2001

Frau Ingrid Kratkey übernimmt die Leitung der Hildegardisschule

2006

Herr Karl Köster übernimmt kommissarisch die Schulleitung

2007

Herr Karl Köster wird Schulleiter der Hildegardisschule Münster

Quellen:


Geschichte der Hildegardisschule hrsg. Ordensgemeinschaft der Vorsehungsschwestern, Provinz Münster unter der Verantwortung von Sr. Ingrid Helfberend, Münster 1998

Hildegardisschule- Schulzeitung der Hildegardisschule Münster aus den Jahren 1994 und 1998, hier die Ausführungen von Sr. Fides Rottmann zum Trägerwechsel und zur Entstehung des Berufskollegs

 
Hoch
Erfolgreiche Blutspendeaktion








Bereits zum vierten Mal bestand für die Schülerinnen und Schüler der Hildegardisschule die Möglichkeit zur Blutspende- ein Angebot, das gerne in Anspruch genommen wurde. Bereits im Vorfeld konnten sich die Schülerinnen und Schüler an einer Infowand in der Eingangshalle der Schule über den Ablauf einer Blutspende informieren. Auch in diesem Jahr meldeten sich wieder erfreulich viele Erstspender.
Für die Verpflegung sorgten das "Lenz" und auch das DRK spendierte Schokolade, damit die Spender wieder zu Kräften kommen konnten.









Eva Andreo Garcia, 30.01.2012/Fotos:Astrid Sammtleben


 
Deutsch-Französischer Tag 2012









„Bringt Französisch ins Spiel!“

Dies ist das Thema des diesjährigen Wettbewerbs des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW und des Cornelsen Verlages anlässlich des Deutsch-Französischen Tages 2012.
Im Rahmen dieses Wettbewerbes, der sich an Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Niveaustufen richtet, mussten im Internet verschiedene Aufgaben gelöst werden, für die die Schüler einen Log-in benötigten, der ihnen am Stichtag des Wettbewerbes zur Verfügung stand.
Dabei zeigte es sich, dass manch eine Aufgabe wirklich gute Kenntnisse der französischen Sprache verlangte und dass die Teams eng zusammenarbeiten mussten.
Neben dem reinen Wettbewerb zauberten die Schülerinnen und Schüler noch etwas französisches Flair in die Räume der Hildegardisschule: Es gab leckere Crepes in den Pausen und die betreuenden Lehrerinnen Veronika Lohmann und Vera Brox  bewiesen viel Geduld beim Ansturm auf den Verkaufsstand.




 
 
Eva Andreo Garcia, 27.01.2012

 
Praktikum in Brasilien - Unterstützer gesucht



Hallo, mein Name ist Victoria Edom und ich bin 18 Jahre alt. Ich besuche die 12. Klasse der Hildegardisschule und mache im Sommer ein dreiwöchiges Praktikum an der Frei-Alberto-Schule in Sao Luis in Brasilien. Unsere Schule unterstützt die Frei-Alberto-Schule im Bistum Bacabal  schon einige Zeit und seit dem vorletzten Jahr hat ein/e Schüler/in des Bildungsganges AHR die Möglichkeit, sein/ihr Praktikum dort zu machen. Ich freue mich schon sehr auf die Menschen und die andere Kultur und bin gespannt, wie der Schulalltag dort aussehen wird.
In den drei Wochen, die ich an der Schule verbringe, werde ich mir verschiedene Klassen ansehen, mit den Kindern lernen und spielen und vor allem all meine Erfahrungen in einem Onlineblog festhalten.
Für dieses große Projekt suche ich noch etwas finanzielle Unterstützung, da der Flug nach Brasilien sehr teuer ist.
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13000 Euro für Bacabal

 

Auch in diesem Jahr kann die Hildegardisschule die Arbeit der Frei-Alberto-Schule im Bistum Bacabal wieder großzügig unterstützen. In diesen Tagen wurden 13.000€ nach Brasilien überwiesen.

 

Ein großer Teil dieses Betrages, 8.000€, wurde am Solidaritätstag durch die vielen Aktionen und Projekte der einzelnen Klassen erwirtschaftet, die restlichen 5.000 € kamen durch Spenden zusammen.

 

Wie uns der Leiter der Frei-Alberto-Schule, Frei Zacharias, mitteilte, ist unsere Hilfe nach wie vor bitter nötig. „Der wirtschaftliche Aufschwung hat nicht alle Schichten und Teile Brasiliens erreicht. Außerdem erhält die Frei-Alberto-Schule in diesem Jahr gar keine staatliche Unterstützung. Die der Schule zugewiesenen Gelder sind im Korruptionssumpf der Stadtverwaltung versunken.“

 

Die Frei-Alberto-Schule bedankt sich ganz herzlich bei den Schülern und Lehrern der Hildegardisschule sowie bei allen Spendern und Förderern des Projektes.

Raphael Leuer, 16.12.2011

 
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