Der aktuelle Newsletter (2021/1)


Schüler*innen denken

Conrad der kühne Ratgeber

von Julia Ketteler, Ina Daldrup, Mirja Peppenhorst, Lena Knoblich Franziska Baving, Mia Teupe (FSP-O1)

Es war einmal ein junger, fleißiger Mann, der Conrad hieß. Er hatte viele Stunden damit zugetan, zu lesen und zu lernen. So vergingen 7 Jahre und Conrad blickte auf die vielen tausend Bücher, die sich in seinem Hause stapelten und dachte traurig bei sich: „Nun las ich all diese Bücher und habe keinen, dem ich mein Wissen weitergeben kann. Morgen in aller Früh zieh ich los, um mein Wissen in die Welt zu tragen“. Er bepackte sein Kistchen mit seinen allseits bekannten, karierten Hemden. Der nächste Tag brach an und noch ehe die Sonne aufgegangen war, nahm Conrad all seinen Mut zusammen und machte sich auf den Weg. Doch noch ehe er weit gekommen war, überfiel ihn ein schrecklicher Hunger. Er kehrte um und machte sich auf den Weg zurück, um sein geliebtes Kinder Country als Proviant für die weite Reise zu holen. Nachdem er sich gestärkt und ein Weilchen gegangen und so durstig war, dass ihm der Mund schon ganz trocken geworden war, kam er an den Brunnen der Schulwelt. Bei dessen Anblick überkam Conrad das Verlangen, seinen Durst zu stillen und so beugte er sich in den Brunnen und wollte trinken. Da geschah es, dass er mit einem Mal hinabfiel. Er verlor die Besinnung und als er erwachte und wieder zu sich selbst kam, war er mitten im Herzen des Münsterlandes. Er wusste nicht so recht wohin mit sich, ging fort und kam nach langer, langer Zeit an eine große Pforte, die einen Spalt offenstand. Conrad, so mutig wie er war, spähte hinein und sah eine wunderschöne Wiese, wo die Sonne schien und viele tausend Blumen standen. Was er sah, das gefiel ihm sehr und so klopfte er drei Mal an und sprach:

„Machet auf, machet auf,

Ich bin derjenige, den ihr braucht!“

Knarrend und knarzend öffnete sich die Pforte und zum Vorschein kam, wie bereits gesehen, die schönste aller Wiesen. Conrad fasste sich ein Herz, trat herein und befand sich in dem Reich der Heiligen Hildegard von Bingen im Münsterlande. Er sah viele Schüler*innen, die eilig hin und her wanderten, hilflos auf der Suche nach einem guten Rat, einer Unterstützung und vor allem großem Wissen. Der gute Conrad, der über all dieses verfügte, begrüßte sie mit seinem legendären „Hiiiii“ *Peace* und verzauberte damit alle Schülerinnen und Schüler. Sie vertrauten ihm und begaben sich in seinen Bann.

Doch das allein reichte im Reich der Heiligen Hildegard von Bingen nicht aus, um länger an diesem erhabenen Ort verweilen zu dürfen. Conrad musste sich zuerst vor seinen Schülerinnen und Schülern behaupten, mit seinem Wissen glänzen und gleichzeitig jeden Einzelnen von ihnen mit seiner ganz individuellen Persönlichkeit kennen und schätzen lernen. Es war für Conrad wahrlich nicht einfach in den vielen Jahren im königlichen Reich der Heiligen Hildegard von Bingen all die unterschiedlichen Schülerinnen und Schüler mit seinem unvergleichlichen Charme und großem Wissen zu verzaubern, aber der mutige Conrad nahm die Herausforderung an und schuftete Tag für Tag, immer darauf bedacht, dass es all seinen Schützlingen gut ging und sie die beste Ausbildung im ganzen Münsterlande bekamen. Und am Ende eines jeden Tages schaffte es der gute Conrad, jedes einzelne seiner Schäfchen mit seiner unverwechselbaren Art zu verzaubern und ihnen nicht nur für ihren Beruf die beste Ausbildung zu ermöglichen, sondern auch ihr ganzes weiteres Leben nachhaltig zu prägen. All seine langen Reden und ausschweifenden Erklärungen mündeten dabei stets am Ende in eine einprägsame Lebensweisheit, die er mit seinem gehobenen Geisemann’schen Finger predigte.

Doch das war noch nicht alles. Es reichte noch lange nicht aus, die Schülerinnen und Schüler auf seine Seite zu holen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen galt es zu verzaubern und in seinen Bann zu ziehen. Conrad, so mutig und fleißig, wie er war, nahm auch diese Herausforderung an und zog in den Kampf der Kollegen. Er wandte all seine Geschicke an, ließ niemanden allein und hatte genau wie für seine Schüler immer ein offenes Ohr für seine Kollegen. Das machte sich bezahlt, denn es dauerte nicht lang, da übernahm der gute Conrad die königliche Leitung der Fachschule für Sozialpädagogik im Reich der Heiligen Hildegard von Bingen. Seitdem schien es so als würden die Blumen auf der Wiese von Jahr zu Jahr schöner und immer schöner blühen. Nichts ahnend lebte der gute Conrad so viele Jahre glücklich im Reich der Hildegard von Bingen, ohne zu wissen, dass am Ende seiner Dienstzeit die größte Schlacht noch bevorstand.

Covid 19 forderte ihn kurz vor dem Ende heraus. Und dieser Gegner machte sich nichts aus all seinen geheimen Mitteln, allen voran seinem unvergleichlichen Humor und Wissen. Conrad kämpfte unermüdlich bis zur letzten Sekunde, ohne je darüber nachzudenken, diese letzte Schlacht nicht bis zum bitteren Ende auszufechten. Conrad gab alles und hielt Covid 19 in Schach. So kam es, dass er heldenhaft auch diesen Kampf zu gewinnen schien. Aber nach einiger Zeit merkte er, dass es ihn nach Hause sehnte, obgleich es ihm im Reich der Hildegard von Bingen sehr gut ging, so hatte er doch Verlangen ganz nach Hause zurückzukehren. Er sagte zu seinem Schulvolk: “Ich habe den Jammer nach Haus kriegt, und wenn es mir noch so gut hier unten geht, so kann ich doch nicht länger bleiben, ich muss wieder ganz hinauf zu den Meinigen.” Das Schulvolk sagte: “Es gefällt uns zwar nicht, dass du wieder nach Hause verlangst, aber wir können dich verstehen. So lange Jahre hast du uns so treu gedient, jetzt wollen wir dich selbst wieder hinaufbringen.” Sie nahmen Conrad an die Hand und führten ihn vor ein großes Tor. Das Tor ward aufgetan, und wie Conrad darunter stand, fiel ein gewaltiger Goldregen, und alles Gold blieb an ihm hängen, sodass er über und über davon bedeckt war. “Das sollst du haben, weil du so fleißig gewesen bist und in all unsere Herzen immer einen Platz haben wirst”, sprach das Schulvolk, “und jetzt hopp hooop, ab mit dir nach Haus!”. So sagte das Schulvolk in seinen Worten, die sie so oft gehört hatten, Lebewohl. Schweren Herzens übergab Conrad sein Reich in vertrauensvolle Hände und verabschiedete sich in seine wohlverdiente Pension. Doch auch wenn der gute Conrad nicht mehr im Reich der Heiligen Hildegard von Bingen Zuhause ward, so war und blieb er sein’ Lebtag im Herzen aller, die ihn kannten, als Conrad der kühne Ratgeber.

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Lieber Herr Geisemann,

leider können wir mit Ihnen nicht Ihren Eintritt in die Pension feiern und Ihnen gleichzeitig einen unvergesslichen Abschied von der Hildegardisschule bescheren, so wie Sie es eigentlich mehr als verdient hätten! Doch besondere Zeiten erfordern nun mal besondere (kreative) Maßnahmen, weshalb wir uns Ihre Leidenschaft und große Begeisterung für Märchen zu Nutzen gemacht haben und selbst als Märchenautoren kreativ geworden sind. Ganz im Sinne des Märchens “Conrad der kühne Ratgeber” wollen wir Ihnen zum Schluss von ganzem Herzen DANKE sagen stellvertretend für die gesamte (aktuelle und ehemalige) Schülerschaft der Hildegardisschule. Danke für Ihren langjährigen Einsatz an der Hildegardisschule, für Ihr unermüdliches Engagement, für Ihre enorme Hilfsbereitschaft, für Ihre klugen Weisheiten sowie Ratschläge und natürlich auch für Ihren Humor. Auf letzteren haben wir auch in Bezug auf unser Märchen gesetzt. Wir hoffen sehr, dass Sie uns und die Botschaft des Märchens verstehen und uns nicht für den ein oder anderen Witz böse sind! ;)

Wir wünschen Ihnen für Ihre Zukunft in der wohlverdienten Pension alles, alles Gute, eine wundervolle freie Zeit mit Ihrer Familie und natürlich vor allem Gesundheit!


    Lehrer*innen denken

    Auszüge aus dem Tagebuch des Stellvertretenden Schulleiters - unter Coronabedingungen

    von Peter Garmann

    Tagebucheintragungen haben den Vorteil, dass bestimmte Dinge aus der individuellen Sicht der betroffenen Person geschildert werden.

    Mein imaginäres Tagebuch des ersten Jahres Stellvertretender Schulleitung hat folgende „Highlights“:

    Alles begann im Januar 2019: Der ehemalige Schulleiter, Herr Köster, ging in den wohlverdienten Ruhestand und die vormals Stellvertretende Schulleiterin Frau Brox übernahm die Leitung der Hildegardisschule.

    So weit so gut, aber wer macht die Stellvertretung?

    Irgendwann hing eine entsprechende Stellenanzeige am schwarzen Brett. In den Anforderungen an die möglichen Bewerber*innen fand man Aussagen zu pädagogischen und organisatorischen Fähigkeiten, zu gewissen Erfahrungen im bisherigen Schulleben, zu konfessionellen Bedingungen, zur Bereitschaft für Herausforderungen etc. -  aber da stand nichts von Corona!


    Bilder sprechen

    Zeitreise - 100 Jahre Hildegardisschule

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