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Therapeutisches Segeln - oder - die „teuerste“ Art, unbequem zu leben |
Die „Hoop doet leven“ verläßt am 23. August 1999 den Hafen von Stavoren in Richtung Wattenmeer. An Bord 17 angehende ErzieherInnen der Hildegardisschule, die trotz anfänglicher Unsicherheit und gemischter Gefühle neugierig auf die Weite des Meeres sind. Fernab vom üblichen Luxus bekommen wir, die Berufspraktikanten der Fachschule für Sozialpädagogik, Arbeitsfeld „Heime und Sondereinrichtungen“, sowie die zwei begleitenden Lehrer, Herr Niemeyer und Herr Nicolas, einen Einblick ins „Abenteuer Segeln“.
Abenteuerlich war es wirklich, denn wir befanden uns keineswegs an Bord des Traumschiffes mit Sascha Hehn, der als netter Steward jeden Wunsch erfüllt, sondern es bedeutete für uns, sich vom Gewohnten zu verabschieden und Bequemlichkeit (z.B. Betten, Duschen) in den Hintergrund zu stellen. Zudem gab es auf der „Hoop doet leven“ für alle viel Arbeit.
Klüver, Fock, Großsegel, Besan ..., jeder hatte seine Aufgabe und war „als Teil des Ganzen“ für das Segeln des Schiffes und die dabei erforderlichen Manöver wichtig. Das dadurch entstandene Gemeinschaftsgefühl war während unseres Segeltörns von ganz besonderer Intensität und stellte gleichzeitig eine große Herausforderung dar. So konnte jeder einzelne in der begrenzten Umgebung nicht einfach „davon laufen“ oder sich zurückziehen, sondern Konflikte mussten ausgehalten und gelöst werden. Gerade dieser Aspekt macht das Segeln zu einer besonderen „Maßnahme“ mit stark therapeutischem Charakter und findet folglich auch in der Jugendhilfe zunehmend Einsatz. Jugendliche, die oft in anderen, von den Jugendämtern finanzierten Formen der „Hilfe zur Erziehung“ gescheitert sind, sollen z.B. durch das Segeln eine neue Orientierung finden. Für diese jungen Menschen sind solche Initiativen, nicht zuletzt bekannt geworden durch das „Jugendschiff Outlaw“, oft eine letzte Chance und Hilfe für die Zukunft. Ziel unserer Reise war, einen kleinen Einblick in die Herausforderung zu bekommen, die das Segeln für jeden einzelnen darstellt und das theoretische Wissen um den therapeutischen Charakter dieses sechsmonatigen Segeltörns durch das eigene Erleben während unserer fünf Segeltage zu vertiefen. So führte unsere Tour vom Heimathafen Stavoren über das Ijsselmeer und das Wattenmeer zu den westfriesischen Inseln Terschelling und Vlieland und zum Ijsselmeerstädtchen Enkhuizen, um danach wieder zurück nach Stavoren zu segeln. An Bord war alles durch unsere schulische Projektarbeit im Vorfeld des Törns gut durchorganisiert, was für den täglichen, reibungslosen Ablauf sehr wichtig war. Wir trugen Verantwortung für die uns zugewiesenen Aufgaben und lernten vom Skipper Arjen Valk und dem weiblichen Maat Dana als Team die Segel zu hissen und Wenden zu fahren. Der Tag begann oft sehr früh, da wir von Wind und Gezeiten abhängig waren und mit ihnen umgehen mussten. Nach dem selbstzubereiteten Frühstück ging es bald an Deck, um alles zum Auslaufen fertig zu machen. Die Segel mussten gesetzt, die Kommandos entgegengenommen und ausgeführt werden. Nach den ersten Manövern konnten wir dann Wellen, Himmel und Sonne genießen und uns vom Wind treiben lassen, bis die Anweisungen für das nächste Manöver kamen. Wir lernten viel über das Segeln, aber vor allem auch uns untereinander besser kennen und den anderen zu respektieren. Was uns bleibt sind Erinnerungen an tolle, ereignisreiche Tage, die Erfahrung, wirklich in einem Boot zu sitzen und – als wir wieder zu Hause waren - mindestens noch drei Tage Gleichgewichtsprobleme, die einem das Gefühl vermittelten, immer noch an Bord zu sein.
Vielen Dank dafür!
Caroline Roberg, BP2 |