Tag 1Nach zehnstündiger Anreise in zwei modernen Reisebussen der Firma Bils erreichte die Gruppe der 78 Schülerinnen und Schüler und drei Lehrerinnen und Lehrer um 8.00 Uhr ihr Ziel in Prag: das Hotel Extol Inn. Dort wurde die Gruppe bereits von ihrem tschechischen Reiseleiter Petr Horácek erwartet, der die Fahrt gründlich vorbereitet hatte und neben der Organisation verschiedener Programmpunkte (Burgführung; Besichtigung einer psychosozialen Einrichtung sowie einer Prager Brauerei; Besuch eines Rockkonzertes und eines Eishockeyspiels) auch Stadtpläne und Metrokarten bereithielt.
Während man einigen Schülerinnen den fehlenden Schönheitsschlaf deutlich ansehen und –merken konnte, sprühten andere förmlich vor Unternehmungslust: Nach dem reichhaltigen Frühstück (das allerdings nicht in jedem Fall den Vorlieben des westfälischen Gaumens entsprach) konnten viele es gar nicht erwarten, endlich zum sagenumwobenen „Fakemarkt“ aufzubrechen. Dieser Markt auf dem Gelände des ehemaligen Prager Schlachthofes wird weitgehend von Vietnamesen beschickt und bietet so ziemlich alles an nachgemachten Markenprodukten, was das Herz des modebewussten deutschen Schülers erfreuen kann: Von der Boxershorts über das Fußballtrikot zur Jeans oder Winterjacke – alles wird angeboten, und wer sich aufs Handeln versteht, kann für recht wenig Geld sein original nachgemachtes „Ed Morris“-T-Shirt erwerben.
Bei der selbstorganisierten Stadtführung am Nachmittag bekamen die SchülerInnen dann dank intensiver Vorbereitungen einen ersten Eindruck von Prags fantastischer Altstadt - vom Pulverturm, über das Rathaus, das Nationaltheater, die Nikolaikirche, die Karlsbrücke, das Nationaltheater bis hin zum Wenzelsplatz. Den Ausklang des Tages gestalteten die SchülerInnen unterschiedlich. Manche zog es zu MC, andere in Pizzerien und wieder andere verbrachten den Abend bei einem Konzert der Gruppe Coldplay.
Christoph Dabrowski, z. Z. in Prag
Der zweite TagDer anstrengendste Tag der diesjährigen Pragfahrt liegt hinter den SchülerInnen: Am Dienstag stand für alle drei Klassen die Besichtigung der Prager Burg auf dem Programm. Der zweite Teil des Tagesprogramms gestaltete sich dagegen unterschiedlich: Während zwei Klassen ein Institut für psychosoziale Dienste besuchten, erkundete die dritte Klasse die größte Prager Brauerei („Staropramen“).
Die Burgbesichtigung – traditioneller Programmpunkt aller Pragfahrten – wurde dank des sonnigen Dienstages und einer sehr engagierten und auf die SchülerInnen eingehenden Stadtführerin zu einem echten Erlebnis für die FOS 12 a/b1 und die FOS 12 b4. Etwas weniger Glück hatte die FOS 12 b2, die es mit einer Führerin alten Schlages zu tun hatte, die ihr Programm recht unmotiviert abspulte.
Interessante Einblicke in die Arbeit mit psychisch Kranken erhielten die SchülerInnen der FOS 12 b2 und 12 b4 im Institut für psychosoziale Dienste, wo dessen Leiterin sie ausführlich über die Einrichtung, die Problemlagen der Patienten (Ende einer langjährigen Beziehung, schulische Probleme, Tod eines Verwandten usw.) und deren Verweildauer in der Einrichtung berichtete.
Die SchülerInnen der FOS 12 a/b1, zum überwiegenden Teil Experten für den Bereich „Ernährung und Hauswirtschaft“, zog es zur Staropramen Brauerei, wo sie durch einen Film sowie eine Führung durch die Brauerei mit den Schritten der Entstehung und Abfüllung eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der westlichen Welt vertraut gemacht wurden. Den Abschluss bildete eine kritische Beurteilung diverser Produkte des Hauses im Selbstversuch…
Am Abend zog es dann 62 SchülerInnen und die drei begleitenden Lehrer, Frau Wagner, Herrn Leuer und Herrn Dabrowski, in die O 2- Arena. Das Eishockeyspiel zwischen Slavia Prag und dem Team aus Zlin bildete den Abschuss eines ereignisreichen Tages. Dabei gelang es den 65 Münsteranern immer wieder, den zahlenmäßig weit überlegenen Slavia-Fans stimmlich Paroli zu bieten. Insbesondere die stadionerfahrenen Herren der FOS 12 b2 konnten immer wieder neue, in der O 2-Arena bis dato völlig unbekannte Gesänge anstimmen. Bei der anschließenden Metro-Fahrt zurück in die City kam es dann zu Ansätzen einer tschechisch-deutschen (Fan-)Freundschaft, da die deutschen SchülerInnen die tschechischen Mitreisenden (darunter natürlich zahlreiche Slavia-Fans) mit den besten Gesängen ihres großen Repertoires vertraut machten. Umgekehrt versuchten sie dann auch, die Lieder der Tschechen mitzuschmettern. Vereinzelte „Deutschland“-Rufe wurden von den Tschechen mit freudlichem Lächeln quittiert – ein Zeichen dafür, dass das Sommermärchen 2006 auch im fernen Prag seine Fortsetzung findet…
Christoph Dabrowski, z. Z. in Prag
Der dritte Tag Der dritte Tag der Fahrt stand weitgehend im Zeichen der Tagestour nach Theresienstadt. Dort besichtigten die SchülerInnen zunächst die sog. „Kleine Festung“, die – ursprünglich als Verteidigungsanlage gegen die Preußen gebaut – nie ihren militärischen Zweck erfüllte und stattdessen als Militärgefängnis diente. Unmittelbar nach der Besetzung Böhmens und Mährens durch die Nationalsozialisten wurde die „Kleine Festung“ als Gestapo-Gefängnis genutzt, in dem vor allem politische Gegner der Nazis, aber auch zahlreiche Juden inhaftiert wurden. Die Garnisonsstadt Theresienstadt, die in unmittelbarer Nähe der „Kleinen Festung“ liegt, wurde in dieser Zeit als Ghetto für Zehntausende Juden aus zahlreichen europäischen Ländern genutzt, die hier zusammengezogen wurden, bevor sie in die Vernichtungslager im Osten abtransportiert wurden.
Die schrecklichen Bedingungen, unter denen die Gefangenen bzw. Deportierten leben mussten, wurden den SchülerInnen durch die anschaulichen Schilderungen der Führer, zwei Ausstellungen, einen Film und natürlich vor allem den Rundgang durch die „Kleine Festung“ deutlich vor Augen geführt.
Das absolute Kontrastprogramm dazu stellte der abendliche/nächtliche Besuch der Disco „Mecca“ dar. Ein Großteil der SchülerInnen und Herr Leuer, der „Lord of the Dance“ der diesjährigen Pragfahrt, trafen sich in dieser Tanz-Location, um überschüssige Energien loszuwerden und sich bei nahezu 130 Phon Lautstärke in zwangloser Runde zu unterhalten. Die allseitige kulturelle Offenheit einiger Schülerinnen und auch des besagten Kollegen zeigte sich daran, dass sie vor dem Disco-Besuch einer Aufführung der Mozart-Oper „Cosi fan tutte“ beigewohnt hatten. Andere SchülerInnen zogen es vor, eines der bekanntesten Prager Schwarzlichttheater zu besuchen, und sich vom Programm „Black Box“ in den Bann ziehen zu lassen.
Christoph Dabrowski, z. Z. in Prag
Der vierte TagDen Abschluss des Programms bildete am vierten Tag eine Stadtralley, bei der die SchülerInnen in acht klassenübergreifend gebildeten Teams diverse Fragen zur Geschichte, Architektur und Kultur Prags beantworten mussten und auch eine Aufgabe zu erfüllen hatten. Ziel der Ralley war die Mittelstation der Prager Standseilbahn, die auf den Petrin-Berg führt. Von dort konnten sie den wunderbaren Ausblick auf die Prager Altstadt genießen.
Die verbleibende Zeit des Nachmittags nutzten die meisten SchülerInnen dann, um nochmals einige Kronen auf dem Fake-Markt umzusetzen und sich gedanklich auf den Abschlussabend einzustellen.
Dieser wurde klassenintern gestaltet, indem die Klassen mit ihren Klassenlehrern in verschiedenen Restaurants sich ein letztes leckeres Essen gönnten (die ganz Mutigen wählten sogar die tschechische Küche aus…).
Christoph Dabrowski, z. Z. in Prag |