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Ein Schwerpunkt in der Pfarrei Nossa Senhora da Gloria ist die Pfarrschule Frei Alberto. Einer möglichst großen Schülerzahl aus ärmsten Verhältnissen soll der Zugang zur Schule ermöglicht werden. Was vor über 30 Jahren als kleine Initiative Jugendlicher begann, weitete sich immer mehr aus: Inzwischen werden an verschiedenen Unterrichtsorten, die auf die Favelas verteilt sind. Der Unterricht findet in sogenannten Schulkapellen von 11 Basisgemeinden statt. Dies sind einfache Mehrzweckräume, die auch für Gottesdienste und Gemeindegruppen genutzt werden. Die einzelnen Klassenräume sind oft nur durch dünne Holzwände voneinander getrennt. Die Innenausstattung ist ebenfalls sehr schlicht: einfache Stühle und Tische, eine Wandtafel und ein Materialschrank.
Das Herz der Armenviertel sind die Schulkapellen, die auch als Gemeinde- und Begegnungszentrum genutzt werden. Mütter mit Kleinkindern treffen sich hier; Kinder, die gemeinsam lesen, spielen oder Schularbeiten machen; Erwachsene, die noch lesen und schreiben lernen; Jugendgruppen, ältere Frauen, die den Rosenkranz beten usw. Auch Mütterberatungen, Impfaktionen, Versammlungen von verschiedenen Organisationen finden hier statt. Die Schulkapellen haben verschiedene Gesichter: Entweder sind sie aus Holz gebaut oder aus Fachwerk mit Lehm oder - in der letzten Phase - aus gebrannten Ziegeln gemauert. Aus Ziegelsteinen gemauerte Kapelen sind erst möglich, wenn der Untergrund diese Bauweise zulässt.
Allgemeine Schulstruktur
Die Schule Frei Alberto führt Unterricht im Vorschulbereich (1. - 3. Jahrgang) und in den Schuljahren 1 - 4 durch. Zur Bedeutung der Kindergarten- und Vorschulklassen sei erwähnt, dass im brasilianischen Schulsystem bei der Einschulung erwartet wird, dass die Kinder bereits alphabetisiert sind. Das geschieht in privaten Vorschulen, die sich arme Familien jedoch nicht leisten können. Darüber hinaus gibt es Angebote zur Alphabetisierung Erwachsener und das Albertao, eine Einrichtung zur Förderung besonders benachteiligter Kinder.
Folgende Klassen werden unterrichtet (Stand: 2002):
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Klassen / Gruppen |
Schüler |
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Vorschule |
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1. Jahr |
4 |
100 |
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2. Jahr |
4 |
126 |
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3. Jahr |
3 |
95 |
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Grundschule |
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1. Jahr |
4 |
123 |
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2. Jahr |
5 |
159 |
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3. Jahr |
5 |
156 |
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4. Jahr |
5 |
128 |
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Erwachsenen - Alphabetisierung |
5 |
146 |
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Albertao (3 Nachm. pro Woche) |
2 |
45 | Gesamt: 1078 SchülerInnen in 37 Klassen
Lehr- und Unterrichtsmaterial
Die Schule Frei Alberto kommt (gemessen an deutschen Schulen) mit sehr wenig Unterrichtsmaterial aus. In den Schultaschen der Kinder befinden sich Blei- und Buntstifte und mehrere Hefte. Es werden vergleichsweise wenig Bücher verwendet (Portugiesisch, Mathematik, Naturkunde, ab der 4. Klasse Neues Testament). Anschauungsmaterial wird von den Lehrerinnen selbst erstellt. Die Schülerinnen tragen Schulkleidung, die in Brasilien Pflicht ist. Das ist bei den jüngsten Schülern ein gelbes T-Shirt mit Schulaufdruck, bei den älteren wird ein Aufnäher auf gelbe oder weiße Hemden genäht. Die Schülerinnen tragen die Schulkleidung gerne, da sie im allgemeinen stolz darauf sind, zur Schule zu gehen.
Pädagogik und Stundenplan
Die Pfarrschule Frei Alberto arbeitet nach der Pädagogik von Paulo Freire. Diese Methode kommt aus der Erwachsenenalphabetisierung. Sie hat zwei Schwerpunkte:
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Jede Bildung ist politisch. Bei der Vermittlung von Wissen wird auch ein politisches Bewusstsein weitergegeben. Die Unterrichtung der armen, unterprivilegierten Bevölkerung muss auch zu einer politischen Bewusstseinsbildung führen. Die Schüler müssen in die Lage versetzt werden, die gesellschaftliche Situation zu erkennen und zu analysieren. Dann können sie Möglichkeiten finden, sich selbstbewusster für ihre Rechte einzusetzen und ihre Lebenssituation zu verbessern.
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Jeder Lernende bringt bereits eigenes Wissen mit, das in den Bildungsprozess miteinbezogen werden muss, z. B. haben Erwachsene bereits Erfahrung im Umgang mit Geld, selbst wenn sie nicht lesen und rechnen gelernt haben. Im Dialog zwischen Lehrendem und Lernenden sollen die Lebenserfahrungen eingebracht und berücksichtigt werden.
In der Arbeit mit Kindern soll vorbereitend zur politischen Bewusstseinsbildung die individuelle Urteilsfähigkeit und Kritikfähigkeit gefördert und unterstützt werden. Mehrfach hörten wir in Gesprächen, dass die staatlichen Schulen im Grunde nur das Einpauken von Wissen betreiben, die individuelle Urteilsfähigkeit aber nicht fördern. Demgegenüber will die Pfarrschule besondere pädagogische Schwerpunkte bei der Förderung des Selbstbewusstseins und des Dialogs setzen. Die eigene Lebenssituation und die eigenen Erfahrungen im täglichen Überlebenskampf sollen die Schüler in den Unterricht einbringen. So lernen die Lehrerinnen die Kinder besser kennen, und das Vertrauensverhältnis wird besser. Dabei soll die Wirklichkeit nicht verdrängt und geleugnet werden, z.B. die Notwendigkeit vieler Kinder, mit ihrer Arbeit das Überleben der Familie zu sichern. Es ist sinnvoller, die Hilfe des Kindes für die Familie anzuerkennen, als das auch in Brasilien geltende gesetzliche Arbeitsverbot von den Kindern zu fordern, was die Kinder in den Zwiespalt zwischen Anspruch und Realität bringen würde. Wenn die Schwierigkeiten für arbeitende Kinder offen angesprochen werden, können eher Lösungsmöglichkeiten gesucht werden als bei der Verdrängung des Problems, auch im Gespräch mit den Eltern. Die Pfarrschule Frei Alberto ist staatlich anerkannt durch die Erziehungskommission. Sie führt den offiziellen Lehrplan durch und dokumentiert das entsprechend.
Lehrerkollegium
In der Schule Frei Alberto arbeiten zur Zeit 35 Klassenlehrerinnen, sieben pädagogische Begleiterinnen, eine Psychologin, zwei Sekretärinnen und drei Frauen, die für die Schulspeisung größerer Gruppen sorgen. Die organisatorische und pastorale Leitung der Schule liegt bei Pater Ewald Dimon, dem Pfarrer der Gemeinde Nossa Senhora da Gloria. Die pädagogische Leitung hat Dona Angelica, die ehrenamtlich arbeitet. Dona Angelica hat die Schule maßgeblich mitaufgebaut, sie ist die „Seele der Schule“. Die Lehrerinnen kommen aus den gleichen Wohnvierteln und sozialen Verhältnissen wie die Kinder. Sie sind also mit den Schwierigkeiten und Lebensbedingungen der Schüler bestens vertraut. Jede Klasse wird von einer Lehrerin betreut, die alle Fächer unterrichtet. Die Koordinatorinnen, erfahrene Lehrerinnen, unterstützen und beaufsichtigen die Arbeit der einzelnen Kolleginnen. Sie sind verantwortlich für acht bis neun Schulklassen in den verschiedenen Vierteln, die sie alle drei bis vier Wochen besuchen. Sie unterstützen die Klassenlehrerinnen, beraten sie und helfen bei auftretenden pädagogischen Problemen. Jeden zweiten Samstag finden Lehrerinnenversammlungen statt zur Planung des Lehrplans. Alle Lehrerinnen einer Klassenstufe werten den durchgeführten Unterricht aus und erstellen gemeinsam den Unterrichtsplan für die nächsten Wochen.
Bezahlung der Lehrerinnen
Alle Angestellten der Schule Frei Alberto erhalten den tariflich festgelegten Lohn für an Privatschulen beschäftigte Lehrer, der ca. 2,5 Mindestlöhne beträgt (zur Zeit 450 DM). Dies ist deutlich mehr, als eine Lehrerin an einer staatlichen Schule erhält (maximal einen Mindestlohn). Durch die zuverlässige Lohnauszahlung und die Möglichkeit, Lohnvorschuss zu erhalten, stellt die Anstellung bei der Schule Frei Alberto für die Lehrerinnen eine tatsächliche Existenzsicherung dar. Die Lehrerinnen sind sozialversichert.
Schülerinnen und Schüler
An der Schule Frei Alberto werden Schülerinnen im Alter von 5 - 42 Jahren unterrichtet. Viele Erwachsene, die nie die Möglichkeit zum Schulbesuch hatten, können lesen und schreiben lernen, ebenso Jugendliche, die nicht zur Schule gehen konnten, weil sie zum Lebensunterhalt der Familien beitragen mussten. Für die jüngeren Schülerinnen ist es wichtig, dass der Schulunterricht in der Nähe ihrer Wohnungen stattfindet, also direkt in den Elendsvierteln. Die Lehrerinnen, die oft aus denselben Vierteln kommen, haben einen sehr persönlichen Kontakt zu den Schülerinnen. Einige Unterrichtsklassen (3. und 4. Klassen, Abendklassen) finden etwas weiter entfernt statt, da die SchülerInnen aus weiteren Einzugsgebieten zusammengefasst werden.
Schulspeisung
Die Schülerinnen der Tagesklassen nehmen an der Schulspeisung teil. Diese hat für sie eine außerordentlich große Bedeutung. Für viele Kinder ist die Schulspeisung die einzige regelmäßige Mahlzeit am Tag. Da für die kontinuierliche Leistungsfähigkeit in der Schule eine ausreichende Ernährung notwendig ist, stellt die Schulspeisung eine Voraussetzung für die pädagogische Arbeit dar. Die Schulspeisung ist sicher für viele Kinder auch Motivation zum regelmäßigen Schulbesuch. Bei der Schulspeisung werden im wöchentlichen Turnus verschiedene Gerichte gekocht, z.B. Reis mit Ölsardinen, Nudelsuppe, Milch-Mais-Speise, Milchsuppe mit Gebäck. Die Zutaten werden einmal wöchentlich zentral für alle Klassen eingekauft und für jede Klasse einzeln abgepackt (z.B. für Reis mit Sardinen: 2 kg Reis und 4 Dosen Ölsardinen). Mitarbeiterinnen der Gemeinde bringen die Zutaten in die verschiedenen Viertel, zu den Schulen bzw. zu mitarbeitenden Müttern nach Hause. Jeden Tag bereitet eine Mutter der Klasse die Mahlzeit nach einem vorgegebenen Rezept zu.
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