
| Die Wiedertäufer |
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Bei einem Gang durch Münster kommt man unweigerlich an der Lambertikirche vorbei und entdeckt, bei einem Blick nach oben, die drei Käfige der Wiedertäufer. Sie sind eines der Wahrzeichen Münsters. Ihre Geschichte lässt sich weit in das 16. Jh. verfolgen.
Die Hinrichtung und die Käfige Die Käfige wurden 1535 von Meister Berthold Schmied aus Lüdinghausen gefertigt. Ursprünglicher Zweck der Körbe war der Transport von Gefangenen. Als das Wiedertäuferreich mit einem Blutbad zerschlagen wurde, wurden die drei Anführer auf dem Prinzipalmarkt gefoltert und hingerichtet. Ihre Leichen wurden als Mahnmal in den Käfigen an den Lambertikirchturm gehängt. So fanden die Rädelsführer ihr kaltes Grab. Die heutigen Käfige an dem Lambertikirchturm sind allerdings nur Duplikate, die originalen Käfige sind im Stadtmuseum Münster ausgestellt. Im Andenken brennt in jedem der Käfige ein Licht. Grundidee der Wiedertaufe und Religion im 16. JahrhundertWir befinden uns am Anfang des 16. Jahrhunderts. In Europa breitet sich die Reformation aus. Angefacht durch Martin Luthers Thesenanschlag entstehen neue christliche Glaubensrichtungen. Eine davon sind die Wiedertäufer. Die Täufer sind eine Bewegung, die aus dem niederländischen Bereich kamen und versucht haben, sich in Straßburg zu etablieren. Münster bot jedoch einen idealen und besseren Nährboden, da es sich nahe an den Niederlanden befindet, die Sprache also kaum Unterschiede aufweist, und durch einen Vertrag mit dem Bischof von Münster in der lutherischen Glaubenspraxis freigestellt ist, also relativ reformoffen erschien. Einer der Hauptprediger, Bernd Rothmann, radikalisierte die Bewegung in Münster und so löste man sich allmählich vom lutherischen Kerngedanken. Er war es auch, der den Wiedertäufern die Möglichkeit zum predigen gab. Grundidee Rothmanns war ein Neuverständnis der lutherischen Sakramente. Das heißt, dass er das Sakrament des Abendmahls und der Taufe neu versteht, und somit auch die Entscheidungstaufe - sprich, die Erwachsenentaufe ( Wiedertaufe) - im Laufe der Zeit favorisiert. Ziel dieser Erwachsenentaufe ist es, sich auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten, die nach dem damaligen Verständnis der Täufer sehr nahe erschien (laut dem ersten Prophet Broeckselsen auf Ostern 1534 datiert). Die Wiederkunft sollte in Münster, dem neuen Jerusalem, stattfinden. Viele der Propheten, Männer und Frauen jeglicher Herkunft, zogen durch die Straßen und wiegelten das Volk mit Rufen wie „Tut Buße, tut, Buße, das Ende ist nah!“ auf. Obwohl die Täufer sich anfangs für die Einehe aussprachen, Ehebruch sogar zeitweise unter Todesstrafe verboten war, entwickelte es sich trotzdem anders. Nach Ostern 1534, die Wiederkunft fand übrigens nicht statt, wurde Broeckelsen von Soldaten des Bischofs grausam zerstückelt. Jan van Leiden, der zweite Prophet, wurde nun zum König der Wiedertäufer. Mit ihm kam dann auch im Sommer 1534 in den Predigten das Thema der Polygamie (Vielehe) auf. Ein Mann darf und soll mehrere Frauen haben. Sinn dahinter ist der biblische Gedanke der Vermehrung: wachset und vermehret euch! Auch die Bevölkerung der Stadt (1600 wehrfähige Männer, 5000 Frauen) bot diesen Umstand an. Die Wiedertaufe war eine Reaktion auf die katholische Praxis, bei dem ein ungetauftes Kind als verlorene Seele galt. Eine Überzeugung, die aufgrund der Bibel nicht nachvollziehbar ist. Da in jenen Zeiten die Kindersterblichkeit aufgrund der unhygienischen Verhältnisse sehr groß war, starben viele Kinder ungetauft. Der seelische Druck, der sich wie ein dunkler Vorhang auf die Eltern setzte, war bedeutend. Es ist daher nachvollziehbar, dass sich viele Menschen den Täufern anschlossen, um diesen Druck loszuwerden. In geheimen Versammlungen wurde die Lehre der Wiedertäufer gepredigt und die Gläubiger empfingen als Erwachsene die 2. Taufe als Zeichen des Bundes, den die Seele mit Gott geschlossen hatte. Durch die Trennung von der traditionellen Kirche fiel die "Gemeinde Christi" unter das kirchliche Gebot gegen Ketzerei sowie unter dem Tatbestand der Aufruhr in der weltlichen Obrigkeit. Das Täuferreich fand jedoch schnell wieder ein Ende. Nach eineinhalbjähriger Belagerung wurde Münster am 24. Juni 1935 von bischöflichen Truppen eingenommen. Das Blutbad dabei beendete das Täuferreich. Biographien der führenden WiedertäuferBernd Knipperdolling Name: Bernhard Knipperdollinck geb. van Stockem Beruf und sein Leben: Zunächst Kaufmann, dann Mitglied eines radikalen Flügels der Täuferbewegung und einer der Führer der Täufer in Münster, später von Jan von Leiden zum Scharfrichter ernannt. Dann wurde er Statthalter von Münster( genannt „Neues Jerusalem“). 1535 Verhaftung nach der Einnahme Münsters durch Fürstbischof Franz Graf von Waldeck und seine Landsknechte Hinrichtung und sein Tod: Am 6. Januar wurde Bernd Knipperdolling zum Tode verurteilt und am 22. Januar 1536 zusammen mit Jan van Leiden und Bernd Krechting mit eisernen, glühenden Zangen gequält und erdolcht, sein Leichnam wurde am Turm von St. Lamberti Münster aufgehängt Bernd Krechting Name: Bernd Krechting Geboren: vor 1500 in Schöppingen im Münsterland Leben und Beruf: Er erhielt eine höhere Schulausbildung, wurde Geistlicher und Hauslehrer beim Grafen in Bentheim. Später erlangte er eine Pfarrstelle in Gildenhaus in der Grafschaft Bentheim, wurde aber entlassen, da er wiedertäuferische Lehren verkündete. Dann zog er mit seinen Anhängern ins westfälische Münster und wurde einer der täuferischen Prädikanten und Rat in der Hofordnung des Jan van Leiden. Verurteilung und Hinrichtung: Nach seiner Verurteilung zum Tode wurde er am 22. Januar 1536 gemeinsam mit Jan van Leiden und Bernd Knipperdolling auf dem Prinzipalmarkt in Münster zu Tode gefoltert. Die Leichen wurden als Abschreckung in drei eisernen Körben an die Lambertikirche in Münster gehängt. Name: Jan van Leiden, eingedeutscht wurde sein Name in Johann Bockelson Geburtsdatum: 02.02.1509 ind Leiden (Niederlande) Familie: Jan van Leiden ist der Sohn des Dorfschulzen Beukel Gerritsz und der Dienstmagd Aleke oder Alit. Später zog er nach Leiden und heiratete die Witwe eines Schiffers. Beruflicher Werdegang: Jan von Leiden war eine führende Persönlichkeit (Wanderprediger) der Täufer und wurde 1534 zum „König“ des Täuferreichs von Münster. Jan lernte das Schneiderhandwerk und arbeitete in Flandern und England. Als Kaufmann reiste er bis nach Lübeck und Lissabon. Schließlich betrieb er in Leiden eine Gastwirtschaft, war Meistersinger, Reimdichter und Schauspieler bei den städtischen Festspielen. Hinrichtung und sein Tod: Jan van Leidens Täuferreich endete, als die Truppen des Bischofs und des Landgrafen von Hessen in der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1535 Münster infolge Verrats einnahmen. Erst nach erbitterten Straßenkämpfen wurden die Anhänger der Täufer besiegt. Die Gegenreformation nahm ihren Lauf und ermöglichte allen Täufern und auch Lutheranern unter Strafandrohung die Rückkehr zum „rechten Glauben“. Da Jan van Leiden, Bernd Knipperdolling und Bernd Krechting sich nicht bekehren wollten, wurden sie am 22. Januar 1536 mit glühenden Zangen auf qualvolle Weise hingerichtet. Gruppe: Carolin Jäger (FSP O1), Caterina Rinaudo (FSP O1), David Fromme (HEP O), David Hilkmann (FSP O1), Wibke Mosler (AHR11D) Quellen vom: 09.11.2010 http://www.qhistory.de/2010/06/polygamie-im-taeuferreich/ http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4uferreich_von_M%C3%BCnster http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Knipperdolling http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Krechting http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_van_Leiden vom 09.11.2010 Quellen vom 16.11.10 http://texte.efb.ch/admuenst.htm http://bommert.com/taeufer.htm |