Bewegung und Sport für und mit Menschen mit geistiger Behinderung
Von Susanne Becker
 Dem Breitensport wird heutzutage auf Grund seiner gesundheitsfördernden und psychosozialen Wirkungen ein hoher Stellenwert beigemessen, hier gilt es durch den Sport Grenzen zu überwinden, persönliche Entwicklung zu fördern, aber auch Werte wie Respekt und Toleranz im Umgang mit anderen Menschen zu vermitteln. Dass dies für Menschen mit geistiger Behinderung gleichermaßen gilt, konnten die angehenden Heilerziehungspfleger/-innen der Hildegardisschule während ihres Projektes „Bildungsfreizeit“ hautnah erfahren. Sie durften mit einer Gruppe von 25 Menschen mit den unterschiedlichsten geistigen, aber auch körperlichen Behinderungen über 3 Tage gemeinsam Bewegung, Sport und Wettkampf erleben. Eine Bildungsfreizeit gilt als Möglichkeit, Persönlichkeitsentwicklung als ganzheitlichen Prozess zu verstehen, bei dem das körperlich-motorische (Bewegung) und das seelisch-geistige (das Erleben) als funktionale Einheit im Sinne der Psychomotorik angesehen wird.
In enger Zusammenarbeit mit dem DJK-Jugendbildungsreferenten Wolfgang Rölver wurde ein sehr abwechslungsreiches und spannendes dreitägiges Programm (30.05.2011 – 01.06.2011) für die 25 Bewohner/-innen des Caritaswohnheims Ascheberg und des Wohnhauses Markus (Stift Tilbeck) erarbeitet. Die Teilnehmer/-innen der Bildungsfreizeit waren zwischen 28 und 60 Jahren alt. Das im Wesentlichen von den Studierenden erarbeitete Bewegungsprogramm war so angelegt, dass – unter Berücksichtigung der sehr unterschiedlichen sportmotorischen Fähigkeiten – durch vielfältige Bewegungserfahrungen möglichst alle Kompetenzbereiche angesprochen werden konnten.
So stand der Einstieg der Bildungsfreizeit unter dem Motto „Kommunikative Spiel- und Bewegungsformen“. Bekannte kommunikative Bewegungsspiele wurden durch einfache Modifizierungen klientenorientiert so umgestaltet, dass Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsame Freude an Bewegung und Sport ermöglicht wurde. Anfängliche Hemmungen und Unsicherheiten zwischen allen Beteiligten konnten überwunden werden und insbesondere die hohe Bewegungsmotivation der Bewohner/-innen, die in ihrem Arbeitsalltag (z.B. Tätigkeit in einer Werkstatt f.b.M.) oftmals nur wenig Bewegungs- und Sportmöglichkeiten haben, begeisterte die Studierenden.
Im weiteren Programm kamen unterschiedliche Ballmaterialien zum Einsatz. Diese wurden mit einfachen Bewegungsformen zunächst erprobt und später in Regelspiele eingebunden. Angesichts der deutlich werdenden Grenzen, die sich gerade im Bereich der Regelspiele abzeichneten, konnten die Studierenden durch weitere Regelveränderungen neue Bewegungsmöglichkeiten schaffen und die Freude an dem Spiel aufrechterhalten. Zudem wurde deutlich, dass nicht die Einhaltung der einzelnen Regel, sondern vielmehr das gemeinsame Tun im Vordergrund der sportlichen Aktivität stand.
Das Bewegungsangebot „Zwei Sekunden Freiheit – Springen auf dem Trampolin und Airtramp“ ermöglichte insbesondere auch den Teilnehmern/-innen mit schwereren körperlichen Einschränkungen (z.B. Rollstuhlfahrer/-innen) neue und intensive Körpererfahrungen.
Der Einsatz unterschiedlicher Tuchmaterialien provozierte die hohe Kreativität der Teilnehmer/-innen und führte über das einfache Schwingen hin zu tänzerischen Elementen, die abschließend in einer Großgruppengestaltung zu Musik präsentiert werden konnten.
Am letzten Tag waren alle Beteiligten durch die hohe Bewegungsintensität, aber auch die Freizeitaktivitäten in den Abendstunden der letzten Tage sichtlich ermüdet, sodass die eher ruhigen Wahrnehmungs- und Entspannungsangebote auf großes Interesse stießen.
Der extrem hohe Praxisbezug dieses Projektes ermöglichte den Studierenden, ein differenzierteres Verständnis der beruflichen Rolle als Heilerziehungspfleger/-in zu entwickeln. Auf der Grundlage der wahrgenommenen Ressourcen konnten vielfältige Körper-, Material- und Sozialerfahrungen vermittelt werden und somit konnte die Handlungskompetenz der Klienten bestmöglich unterstützt werden. Die Bedeutung einer angemessenen adressaten- und klientenorientierten Kommunikation, aber auch die Notwendigkeit eines reflektierten Umgangs mit Nähe und Distanz, um eine professionelle Beziehungsgestaltung zu ermöglichen, wurden für die Studierenden intensiv erfahrbar.
Nicht zuletzt provozierte das Projekt eine enorme Motivation und ein hohes persönliches Engagement bei den Studierenden und somit einen erweiterten Blick auf ihr zukünftiges Arbeitsfeld.

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