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In den Ferien ins Freibad oder Kino gehen? Das macht auch Linda Hüing gerne. Allerdings nicht so oft zusammen mit ihren Freunden, sondern mit geistig oder mehrfach behinderten Kindern. Die 19-Jährige macht ein Jahres-Praktikum im "Wohnnest", einer Kurzzeiteinrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.
"In den Ferien ist hier viel los", sagt Linda. Die Eltern der behinderten Kinder fahren in den Urlaub, um sich eine Auszeit zu gönnen und deshalb sei das Wohnnest der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Ortsvereinigung Münster gut belegt.
Für ein oder zwei Wochen ein zweites Zuhause
Für bis zu zwölf Kinder und Jugendliche ist die Kinderhauser Einrichtung dann für eine oder zwei Wochen ihr zweites Zuhause. Ein Team aus Heil- und Sozialpädagogen, Erziehern, Pflegern und eben Zivildienstleistenden und Praktikanten kümmert sich in dieser Zeit liebevoll um die Gäste im Alter von vier bis 21 Jahren.
"Am Anfang war es schon komisch, einen Gleichaltrigen zu wickeln", sagt Linda. Und körperlich anstrengend sowieso. "Aber man muss sich einfach trauen", sagt sie selbstbewusst. Viele ihrer Freunde behaupten, dass sie das, was Linda macht, nicht machen könnten. "Das glaube ich aber nicht", erwidert sie, "denn erst wenn man es ausprobiert hat, kann man es beurteilen." Immer noch freie Stellen für dieses Jahr
Schon nach einem Probetag könne man feststellen, ob einem die sowohl körperliche, als auch psychisch anstrengende Arbeit liegt, sagt Ulrich Röttgering, Leiter des Wohnnestes. Momentan hat die karitative Einrichtung jedoch Schwierigkeiten, neue Zivildienstleistende und Praktikanten zu finden.
"In den vergangenen Jahren haben uns die Bewerber hier die Türen eingerannt", sagt Röttgering, "In diesem Jahr haben wir einige Stellen für das freiwillige soziale Jahr (FSJ) immer noch frei." Aber das sei ein bundesweiter Trend, meint der Wohnnest-Leiter. Linda macht zur Zeit ihr Fachabitur - zwei Mal die Woche drückt sie die Schulbank, in der restlichen Zeit beschäftigt sie sich mit den behinderten Kindern und Jugendlichen. Auch in den Ferien. Nachfolger für Linda gesucht
Nicht nur Ausflüge mit Spiel und Spaß, ebenso die Pflege der Kinder mit Handicap gehören zu Lindas Aufgaben. "Das wichtigste ist, dass man es von sich aus gerne macht", sagt die 19-Jährige. Außerdem müsse man kontaktfreudig und offen gegenüber den Kindern sein.
"Linda erledigt alles sehr gut und hat auch sichtlich Spaß dabei", lobt Röttgering und hofft, dass sich genauso motivierte Jugendliche für ein FSJ bewerben, das am 1. August beginnt.
"Mein Praktikum ist bald zu Ende", sagt Linda wehmütig, denn ihr habe die Arbeit enorm viel Spaß gemacht. "Es ist ein tolles Gefühl, wenn man den behinderten Kindern eine Freude machen kann." Jetzt weiß Linda auch, was sie nach dem Praktikum machen möchte. "Ich werde soziale Arbeit studieren." Anmerkung: Linda Hüing ist Schülerin der FOS 12b2
Foto: Tawadrous, Text: Inga Tawadrous,Münstersche Zeitung, 28.07.09 |